Wir haben die OB-Kandidaten zum Thema Kitas befragt:

Oliver Kern, SPD

1. Wie soll der Kitaplatzausbau in Essen konkret weiter beschleunigt und verbessert werden?

Wir brauchen Vorfahrt für den Bau von Kitas. Noch immer steht der Kitabau in Konkurrenz zu anderen Projekten. Insbesondere dort, wo Grundstückspreise hoch sind. Auch leisten wir uns in Essen noch immer den Luxus, bei geringstem Widerstand auf die Realisierung einzelner Flächen zu verzichten. Viele Projekte sind darüber hinaus noch immer im Ankündigungsstatus. Zudem müssen auch viel stärker unkonventionelle Gebäude in den Blick genommen werden. Denn dass man z.B. in einer alten Keksfabrik oder einem Schalthaus eine Kita bauen kann, ist bewiesen.


2. Was planen Sie konkret gegen den Fachkräftemangel an Kitas und Schulen zu unternehmen.

Dem Fachkräftemangel muss endlich durch ein ganzes Bündel von Maßnahmen begegnet werden. Hier ist das Land NRW gefordert. Als Oberbürgermeister würde ich all diese Maßnahmen mit meiner beruflichen Erfahrung aktiv fördern und begleiten. Um den Bedarf an Erzieher*innen zu decken, muss die Zahl der  Auszubildenden gesteigert werden. Dazu brauchen wir mehr Schulplätze und eine größere Zahl an Plätzen für die praxisintegrierte Ausbildung (PiA). Bei letzterer muss die Stadt Essen mit ihren städtischen Kitas als Beispiel vorangehen. Wichtige Anreize wären auch eine Ausbildungsvergütung für die rein schulische Erzieher*innen-Ausbildung sowie – natürlich – bessere Löhne für Erzieher*innen.

3. Wie kann die Integration von Familien mit Migrationshintergrund an Kitas und Schulen weiter gefördert werden?

Besonders hier brauchen wir eine Verbesserung des Fachkraft-Kind-Schlüssels sowie weiteres pädagogisches Personal, das ganzheitlich in die Familien hineinwirken kann. Die Kitas, die bereits Familienzentren sind, leisten hier eine unschätzbar wertvolle Arbeit. Diese möchte ich gerne deutlich ausweiten. In Gelsenkirchen gibt es bereits heute auch Grundschulen, die als Familienzentren arbeiten. Das will ich auch in Essen realisieren. Die Stadt braucht aber auch ein integriertes Sprachförderkonzept, welches die gesamte Bildungskette in den Blick nimmt.

4. Kann die Ernährung bzw. Verpflegung an Kitas und Schulen verbessert werden? Wenn ja, mit welchen konkreten Maßnahmen?

Es braucht ernhährungspädagogische Konzepte für die Stadt. Dazu gehört für mich auch ein flächendeckendes Konzept für den Betrieb von Frischküchen in Schulen und Kitas. Bis heute sind Frischküchen leider eher die Ausnahme als die Regel. In den Kitas, die ich realisieren konnte, sind sie Standard. Dort wo es bauliche Veränderungen braucht werde ich diese anstoßen. Bis dahin muss es qualitativ hochwertige Zwischenlösungen in Zusammenarbeit mit Caterern geben. Das Konzept Cook and hold (warmhalten) lehne ich aber in diesem Zusammenhang ab. Eine gute Mahlzeit lebt darüber hinaus auch vom Ambiente in dem Speisen eingenommen werden. Immerhin haben konnten wir gerade auf Initiative der SPD im Rat der Stadt Leitlinien für den Schulneubau realisieren, die für jede neue Schule eine Mensa festschreiben.

Für die bestehenden Schulen werde ich mit Blick auf das Thema Schulessen eine entsprechende Arbeitsgruppe unter Beteiligung aller Akteur*innen einsetzen, die die vorgenannten Themen bearbeitet.


5. Was kann am KiBiz weiter verbessert werden?

Auch nach der letzten Revision ist ein auskömmlicher Betrieb unserer Kitas nach wie vor nicht möglich. Die Kindpauschalen lassen nach wie vor keinen signifikant besseren Fachkraft-Kind-Schlüssel zu. Darüber hinaus werden bestimmte Aufgaben (wie z.B. der Betrieb von Frischküchen) nur unzureichend berücksichtigt. Das System von Kindpauschalen und Buchungszeiten ist gescheitert. Ich plädiere dafür, eine von Buchungszeiten unabhängige einrichtungsbezogene Sockel- bzw. Grundkostenfinanzierung einzuführen. Es braucht schlicht einen Systemwechsel.

6. Wie kann die Qualität der Betreuung an Kitas weiter verbessert werden?

Die Qualität steht und fällt mit einem besseren Fachkraft-Kind-Schlüssel. Unter den aktuellen KiBiz-Bedingungen ist das leider nicht zu realisieren. Deswegen hängt diese Frage unmittelbar mit Frage 5 zusammen.

7. Wie stehen Sie zur Beitragsfreiheit der Kinderbetreuung? Welche Vor- bzw. Nachteile sehen Sie?

Bildung ist ein unverrückbares Grundrecht. Wir dürfen Menschen mit kleinem Geldbeutel den Zugang zur Bildung nicht verwehren. Kitas sind Orte der Bildung und der frühen Förderung. Hier werden viele Grundsteine für den zukünftigen Bildungsweg gelegt. Keiner käme heute noch auf die Idee, wieder Schulgeld einzuführen. Insofern ist es nur konsequent, auch in Kitas auf Gebühren zu verzichten. Darüber hinaus ist Bildung eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Die Verantwortung und Kosten dürfen daher nicht allein bei den Familien abgeladen werden.