Wir haben die OB-Kandidaten zum Thema Kitas befragt:

Mehrdad Mostofizadeh, Die Grünen

1. Wie soll der Kitaplatzausbau in Essen konkret weiter beschleunigt und verbessert werden?

Dieses Thema muss innerhalb der Verwaltung geschäftsbereichsübergreifend oberste Priorität haben - vom Stadtplanungsamt über die Immobilienwirtschaft bis hin zum Jugendamt! Jede leerstehende Immobilie sollte prioritär daraufhin geprüft werden, ob sie für Kinderbetreuungseinrichtungen oder Schulräume zur Verfügung gestellt werden kann.

Neben den Mitteln des Bundes investieren Land und Kommunen ab dem Kindergartenjahr 2020/2021 rund 750 Millionen Euro jährlich zusätzlich für mehr Finanzierungssicherheit und Verbesserungen der Qualität. Wir setzen uns dabei für eine Umsetzung der Platzausbaugarantie ein, damit jedes Kind gut betreut wird und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie besser gelingt.

Darüber hinaus setzen wir uns im Rahmen der kommunalen Möglichkeiten dafür ein, dass ausreichend Kitaplätze geschaffen werden und wollen unter anderem Unternehmen mehr in die Pflicht nehmen. Jeder in Essen angesiedelte Betrieb ab einer Größe von 750 Mitarbeiter*innen soll ermutigt und unterstützt werden, einen Betriebskindergarten anzubieten. Hierbei erwarten wir, dass Stadt und städtische Töchter eine Vorbildrolle übernehmen.

Des Weiteren möchte ich die Gründung von Elterninitiativen mit einer Beratungsstelle innerhalb der Stadtverwaltung unterstützen- das Engagement der Eltern muss seitens der Stadt gefördert werden.

Außerdem möchte ich mehr Waldkitas und/oder Waldgruppen an bestehenden KiTas in Essen ermöglichen- dieses pädagogische Konzept tut den Kindern gut und ist schneller und günstiger umzusetzen als langwierige Planungs- und Bauprozesse.


2. Was planen Sie konkret gegen den Fachkräftemangel an Kitas und Schulen zu unternehmen.

Wir setzen uns dafür ein, dass die Mittel aus dem „Gute-Kita-Gesetz“ zum Einsatz von mehr Fachpersonal in unseren Kitas führt, denn entscheidend für die Qualität in der Kita ist eine gute Personalausstattung und ein angemessener Fachkraft-Kind-Schlüssel.  Dabei wollen wir Kita-Leitungen von Verwaltung entlasten, die duale vergütete Ausbildung für Erzieher*innen ausbauen und eine vielfältige, pädagogische, multiprofessionelle Arbeit, vor allem für mehr Inklusion, Beteiligung und Schutz von Kindern. Darüber hinaus wollen wir den Arbeitsplatz Kita attraktiver gestalten und setzen uns dafür ein, dass die Bezahlung gezielt verbessert wird. Neben einer Ausweitung des Bildungsgangs der staatlich anerkannten Erzieherin am Berufskolleg im Bildungspark sollten wir in den nächsten Jahren verstärkt auch das Angebot der "Praxisintegrierten Ausbildung (PiA)" ausweiten. Hier können Menschen, die bereits eine Berufsausbildung abgeschlossen haben, durch eine dreijährige Ausbildung in den Erzieherberuf wechseln. Der Vorteil ist, dass diese Personen gleichzeitig während der Ausbildung schon den Einrichtungen als Ergänzungskräfte zur Verfügung stehen.

3. Wie kann die Integration von Familien mit Migrationshintergrund an Kitas und Schulen weiter gefördert werden?

Hier setzen wir auf mehreren Ebenen an:

- Der Übergang zwischen den einzelnen Bildungsabschnitten muss fließender gestaltet werden. Familienzentren in Kitas sind bereits erfolgreich erprobte Ansätze, um Eltern eine verlässliche Anlaufstelle für Alltagsfragen in ihrem Stadtteil zu bieten. Wir wollen Familienzentren an Kitas verstetigen und die Zusammenarbeit mit den Grundschulen aufbauen.

- Neben den Familienzentren setzen wir auf das Konzept „Haus des Lernens“, die räumliche Einheit von Kindergarten und Grundschule in einem Gebäude. Aktuell haben wir z.B. nur in Haarzopf und Karnap zwei Lernhäuser. Für neu und weiter zu entwickelnde Grundschulstandorte sollen „Häuser des Lernens“ in unserer Stadt deshalb Standard werden. - Kitas und Schulen mit herausfordernden Aufgaben brauchen unsere besondere Unterstützung. Wir setzen uns daher für die bedarfsgerechte Zuweisung von Sach- und Personalmitteln über einen Schulsozialindex ein, d.h. Inklusionsanforderungen oder Einzugsgebiet sollen darin verstärkt berücksichtigt werden.

- Je nach den Bedarfen der Stadtquartiere soll in den Kitas zusätzliches Integrationspersonal fest angestellt werden

- Wir brauchen mehr Fachkräfte mit Zuwanderungsgeschichte, die einen leichteren Zugang zu den Familien finden

 

4. Kann die Ernährung bzw. Verpflegung an Kitas und Schulen verbessert werden? Wenn ja, mit welchen konkreten Maßnahmen?

Ich möchte, dass es an den Essener Schulen und Kitas ein kostenloses Mittagessen gibt und das dort vorrangig ökologische und regionale Lebensmittel angeboten werden. Anfangen mit der Umsetzung möchte ich im Norden der Stadt.

 

Wir setzen uns dafür ein, dass ein gesunder Frühstückssnack und Mittagessen mit vegetarischem Alternativ-Angebot sowie kostenloses Wasser an Schulen und Kitas gefördert werden.  Bei Neubauten möchten wir Küchen in den Einrichtungen mitplanen, damit täglich frisch zubereitetes Essen angeboten werden kann und Kinder selbst den Umgang mit Lebensmitteln erlernen können.


5. Was kann am KiBiz weiter verbessert werden?

Das reformierte KiBiz Gesetz, das zum Kitajahr 2020/21 in Kraft getreten ist, lässt aus grüner Sicht noch viele Fragen offen.

Die Kindpauschale wird nicht durch eine Sockelfinanzierung abgelöst. Das bedeutet, dass den Einrichtungen weiterhin pro angemeldetes Kind Geld zur Verfügung gestellt wird. Wir meinen, dass für eine nachhaltige finanzielle Absicherung die Mittel belegungsunabhängig weitergeleitet werden müssen.

Zentral für die Qualitätsentwicklung ist der Fachkraft-Kind-Schlüssel- dafür fehlt immer noch eine verbindliche Regelung im KiBiz.

6. Wie kann die Qualität der Betreuung an Kitas weiter verbessert werden?

Bildung ist für uns ein Schlüssel für Selbstbestimmung, Chancengerechtigkeit und Integration. Wir brauchen gerade in der frühkindlichen Bildung eine kontinuierliche hohe Qualität. Die Erzieher*innen in den Essener Kitas geben jeden Tag ihr Bestes und haben dabei immer mehr Herausforderungen zu bewältigen. Sie müssen durch mehr Fachpersonal und durch den Aufbau von multiprofessionellen Teams entlastet werden.

7. Wie stehen Sie zur Beitragsfreiheit der Kinderbetreuung? Welche Vor- bzw. Nachteile sehen Sie?

Grundsätzlich soll und muss Bildung von Anfang an gebührenfrei sein. Daher halten wir langfristig an unserem Ziel, einer beitragsfreien Bildung  fest. Bis die erforderlichen Mittel für die Beitragsfreiheit aufgebracht werden können, ist unser Ziel eine  landesweit einheitliche Elternbeitragstabelle. Außerdem müssen Eltern mit niedrigem Einkommen entlastet werden.